Autor Thema: Parlamentarische Anfrage zum Gutachter Friedrich + seinem Gutachten / Nov.2011  (Gelesen 21213 mal)

Offline consuela

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Im November wurde diese Anfrage betreffend Friedrich an die Justizministerin gerichtet:
http://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/BR/J-BR/J-BR_02854/fname_234782.pdf

Ich hoffe, es ist in Ordnung, die Namen auszuschreiben, denn so sind sie im Internet in den Parlamentarischen Dokumenten abrufbar.

Auszug:
Friedrich, der auf „wissenschaftliche Exaktheit" „aufgrund der an sich schon angeheizten Interpretationslage“ verweist, geht in seinem gesamten Gutachten nicht auf die, zum damaligen Zeitpunkt, bereits bekannten Fakten der nächtlichen Einnässung und Einkotung von Kampusch ein.

Ist es richtig, dass nach aktuellem Stand der kinderpsychiatrischen Wissenschaft, die nächtliche Einnässung und Einkotung - im Kontext mit weiteren Auffälligkeiten, etwa auffällige Gewichtszuname, Abfall der schulischen Leistungen, libidinös motivierte Fotos etc. - zumindest den Verdacht des sexuellen Missbrauchs nicht von Haus aus ausschließen lassen?

Wenn Ihm diese Umstände jedoch bekannt waren, warum fanden sie keinen Niederschlag in seinem Gutachten? Gibt es hierzu eine fundierte Begründung?

Ist Ihnen die persönliche Motivation von Univ. Prof. Dr. Max Friedrich bekannt, warum er im Jahr 1998 sexuellen Missbrauch von Natascha Kampusch dezidiert ausschloss?


Gibt es dazu schon Auskünfte seitens Justizministerium?

gillian

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Verdacht auf sexuellen Mißbrauch eines Kindes ist eine in jeder Hinsicht heikle Angelegenheit.
Wenn ein älteres Kind seine Ausscheidungen nach bereits gelungen gewesener Kontrolle  wieder nicht mehr beherrscht. zumal im Schlaf, bei herabgesetzter bewußter Kontrolle, ist das keinesfalls ein direkter Mißbrauch-Hinweis.Leistungsabfall, Gewichtszunahme - diese Beobachtungen erhärten einen derartigen Verdacht sicher ebenfalls nicht.
Ein gestreßtes Kind regrediert erfahrungsgemäß auf eine Stufe seiner vorherigen Entwicklung, auf der - sagen wir einmal - noch "alles in Ordnung" war bezw. erträglich schien. Das sind nicht bewußte und jedem Menschen angeborene Verhaltensmöglichkeiten, mittels derer wir einigermaßen in der Lage sind, auch Unerträgliches auf irgendeine Weise auszuhalten. (Flucht in Neurosen od. bei schließlich fehlendem Realitätsbezug sogar in Psychosen).

NK hat somit sicher unter großem psychischem Streß gelitten.Aber:  Ob dieser durch sexuellen Mißbrauch zustandekam, kann man auf Grund der Beschreibung keinesfalls sagen.

Die bekannten Fotos weisen wohl darauf hin, daß die Schamgrenze bei dem kleinen Mädchen nicht respektiert wurde. Diese Grenze wird allerdings in den  Familien sehr unterschiedlich angesetzt.

Es gibt keine kinderpsychiatrische Wissenschaft, die derlei Zusammenhänge statistisch gesichert
untersucht. Mir ist auch keine psychologische wissenschaftliche Studie dazu bekannt, hingegen
die Problematik, aus diversen Verhaltensauffälligkeiten eine hieb- und stichfeste Diagnose zusammenzutragen: es handelt sich dabei niemals um Diagnosen sondern um Mutmaßungen. Und solche sind einem Sachverständigen - egal, worum es sich handelt - nicht gestattet.

Offline Antonella

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Hier die Antwort:
http://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/BR/AB-BR/AB-BR_02644/imfname_239861.pdf

Zu 9 bis 11, 16 bis 23 und 25 bis 28:

Der ständige Unterausschuss des Ausschusses für innere Angelegenheiten hat anlässlich seiner Beratungen am 1. Dezember gemäß § 32c GOG beschlossen, die Bundesministerin für Inneres sowie die Bundesministerin für Justiz zu ersuchen, ihm alle Akten und Unterlagen im Zusammenhang mit dem Entführungsfall Kampusch – ausgenommen zivilrechtliche Akten bzw. Akten betreffend Privatanklagedelikte – zur Einsicht zu übermitteln. Aufgrund dieses Beschlusses wurden die betreffenden Akten und Unterlagen der Parlamentsdirektion unverzüglich übermittelt. Im Hinblick auf die dadurch ermöglichte umfassende parlamentarische Kontrolle und den von mir zu wahrenden Datenschutz, insbesondere Schutz des Privat- und Familienlebens des Entführungsopfers, bitte ich um Verständnis, dass ich zu diesen Fragen inhaltlich nicht Stellung nehmen kann.

Welche Überraschung!!

Lilly Rush

  • Gast
zu 8:
Univ. Prof. Dr.MF wurde im Jahr 1998 von der damals zuständigen Untersuchungsrichterin zum Sachverständigen bestellt.


Auf Grund wessen Vorschlag? Des Sicherheitsbüros? Ist es nicht üblich, dass die Behörde oder Staatsanwaltschaft von sich aus einen Vorschlag macht, mit Begründung und dieser wird vom LG entweder abgelehnt oder genehmigt?
Gabs da nicht ein Nahverhältnis SB zu MF?

Offline Miss Marple

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Von der Untersuchungsrichterin? Ich dachte via Staatsanwalt!

Zitat MF: Er sei eigentlich vom Sicherheitsbüro – über den rechtlichen Umweg der Staatsanwaltschaft – beauftragt worden, ein Gutachten zu erstellen, ob ein sexueller Missbrauch vorliegen könnte bzw. welche Möglichkeiten für das spurlose Verschwinden von NK in Betracht gezogen werden könnten.


Lilly Rush

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Danke für das Zitat!
Das ist genau was ich damit sagen wollte.

Da wird in der Parlamentsanfrage sugeriert, dass das Landesgericht ganz unabhängig irgendeinen Sachverständigen bestellt hat, dabei ist er vom SB (Gruppe Fleischhacker oder darüber Geiger, Edelbacher) ausgewählt und der Staatsanwaltschaft zur Einbringung beim LG vorgelegt worden.

Offline Miss Marple

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Ja, diesen Eindruck erweckt die Antwort.

Nix von wegen "Freunderlwirtschaft" und so...

Lilly Rush

  • Gast
Weißt du, GENAU DAS ist das Problem in der ganzen Priklopil Kampusch Geschichte:

Wenn die von vornherein gesagt hätten, dass das SB Friedrich vorgeschlagen hätte, hätte das nach Freunderlwirtschaft ausgesehen.
NA UND? Wir sind in Österreich, da ist das sowieso normal!

ABER WARUM WIRD DAS VOM MINISTERIUM HER VERTUSCHT????????????


Offline Miss Marple

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DAS ist die Frage aller Fragen!

Lilly Rush

  • Gast
DAS z.B. nährt bei mir den Verdacht, dass der Fisch ganz oben am Kopf zum Stinken anfängt.

Offline consuela

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Hier die Antwort:
http://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/BR/AB-BR/AB-BR_02644/imfname_239861.pdf

Zu 9 bis 11, 16 bis 23 und 25 bis 28:

Der ständige Unterausschuss des Ausschusses für innere Angelegenheiten hat anlässlich seiner Beratungen am 1. Dezember gemäß § 32c GOG beschlossen, die Bundesministerin für Inneres sowie die Bundesministerin für Justiz zu ersuchen, ihm alle Akten und Unterlagen im Zusammenhang mit dem Entführungsfall Kampusch – ausgenommen zivilrechtliche Akten bzw. Akten betreffend Privatanklagedelikte – zur Einsicht zu übermitteln. Aufgrund dieses Beschlusses wurden die betreffenden Akten und Unterlagen der Parlamentsdirektion unverzüglich übermittelt. Im Hinblick auf die dadurch ermöglichte umfassende parlamentarische Kontrolle und den von mir zu wahrenden Datenschutz, insbesondere Schutz des Privat- und Familienlebens des Entführungsopfers, bitte ich um Verständnis, dass ich zu diesen Fragen inhaltlich nicht Stellung nehmen kann.

Welche Überraschung!!

Danke für das Link!

entweder ist man nicht zuständig oder der Datenschutz lässt keine Antwort zu.
Herrjeh!

Offline consuela

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Von der Untersuchungsrichterin? Ich dachte via Staatsanwalt!

Zitat MF: Er sei eigentlich vom Sicherheitsbüro – über den rechtlichen Umweg der Staatsanwaltschaft – beauftragt worden, ein Gutachten zu erstellen, ob ein sexueller Missbrauch vorliegen könnte bzw. welche Möglichkeiten für das spurlose Verschwinden von NK in Betracht gezogen werden könnten.
Moment! das heißt dann aber, dass die Auskunft, die auf die parlamentarische Anfrage hin gegeben wurde, falsch ist!

Offline Miss Marple

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Das Gericht ist anscheinend die letzte Instanz bei der Bestellung von Gutachtern (siehe LR).

gillian

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www.diekriminalisten.at , z..B.Offener Brief,  Ein Leben für die Kinder, usw
weblog.der detektiv.at Der Vereinigung österr.Kriminalisten ist es ein dringendes Anliegen, in einem offenen Brief ....

...jeweils am 11. und 12. Sept. 2008 erfolgte massive Unterstützung für Prof.Friedrich, völlig öffentlich für jeden zugänglich.
Ich glaube, es gab auch ein direktes öffentliches Dankschreiben an ihn, das ich aber nicht mehr finde. Vielleicht irre ich mich aber diesbezüglich.


Offline consuela

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habs schon gefunden:
http://www.diekriminalisten.at/krb/show_art.asp?id=1053

MF wird auf der Website gerne zitiert:

http://www.diekriminalisten.at/krb/show_art.asp?id=1264
"Kinder im Grundschulalter können sich gegen einen Erwachsenen körperlich noch nicht erfolgreich wehren (vgl. Univ.-Prof. Dr. Max Friedrich: „Tatort Kinderseele“). Kommt ein Kind in eine Situation, in der es sich „komisch“, verängstigt oder unsicher fühlt, so soll es möglichst rasch versuchen, wegzugehen, wegzulaufen."