Autor Thema: Rund um FBI/BKA etc._12.07.2012 - Kampusch-Entführung: FBI rollt Fall neu auf  (Gelesen 40304 mal)

Offline Miss Marple

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Spektakuläre Wende. Am Freitag fällt der Startschuss für die größte Cold-Case-Überprüfung, die es in Österreich je gab: Ein internationales Steering Committee durchleuchtet die Entführung von Natascha Kampusch.

Knalleffekt im Entführungsfall „Natascha Kampusch“: Ein international hochkarätig besetztes Steering Committee, also ein Steuerungs- und Lenkungsausschuss, wird eingesetzt, um den Jahrhundertfall noch einmal komplett neu zu analysieren. Diesem siebenköpfigen Gremium gehört ein ranghoher Vertreter der US-Bundes-Ermittlungsbehörde FBI (Federal Bureau of Investigation) an. Bereits fixiert ist auch die Mitwirkung des Präsidenten des renommierten deutschen Bundeskriminalamts (BKA), Jörg Ziercke.

Für die operative Tätigkeit, nämlich die Evaluierung bzw. Überprüfung aller bisher geführten Ermittlungen zur Kampusch-Entführung, wird ein mit mindestens 14 Mitgliedern besetztes „Projektteam“ eingesetzt. Mitglieder dieses Teams sind: hohe Beamte des Innen- und Justizministeriums (ebensolche sitzen auch im übergeordneten Steering Committee), ein Vertreter des Verfassungsschutzes, ein Staatsanwalt der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft, mehrere Kripobeamte – und mindestens ein Vertreter des FBI und des deutschen BKA. Bei den Teammitgliedern aus den Vereinigten Staaten bzw. Deutschland handelt es sich durchwegs um Cold-Case-Spezialisten, also um Ermittler, die länger zurückliegende Kriminalfälle noch einmal aus „unvoreingenommener“ Außensicht unter die Lupe nehmen.

Operation bis Ende 2012
Die gesamte Operation soll bis Ende Dezember laufen. Danach wird entschieden, ob die offizielle Ein-Täter-These verworfen werden muss. Bisher gilt der nach der Flucht von Natascha Kampusch durch Suizid umgekommene Wolfgang Priklopil als einziger Täter. Sollten sich aber im Rahmen des Cold-Case-Managements neue Verdachtsmomente ergeben, müssten diese von österreichischen Behörden im Rahmen eines neuen Ermittlungsverfahrens geklärt werden. Dafür bräuchte es aber einen staatsanwaltlichen Auftrag. Zuletzt wurde die Kooperation zwischen Polizei und Staatsanwaltschaft als – gelinde gesagt – verbesserungswürdig eingestuft.

Den Anstoß zu dieser neuerlichen Überprüfung des Falles haben Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) und Justizministerin Beatrix Karl (ÖVP) gemeinsam gegeben. In einem Schreiben, das am Freitag den zuständigen Abteilungen in beiden Ministerien offiziell zugeht, erteilen die Ressortleiterinnen einen entsprechenden „Auftrag“ an ihre Beamten. Damit entsprechen die beiden Ressorts auch der Empfehlung eines parlamentarischen Unterausschusses, der – wie berichtet – eine neuerliche Evaluierung des Falles empfohlen hat.

„Die Einbindung des FBI und des deutschen Bundeskriminalamtes ist für uns keine Frage der Kompetenz, sondern eine Frage der Transparenz“, erklärte Mikl-Leitner am Donnerstag vorab auf „Presse“-Anfrage. Justizministerin Karl schloss sich dem an, sie sagte: „Wir haben unsere Experten für diese neuerliche Überprüfung zur Verfügung gestellt und wollen damit auch aufzeigen, dass wir nichts zu verbergen haben.“ Bis zuletzt setzte es Kritik an den bisherigen Ermittlungen. Zuletzt hatte der parlamentarische Unterausschuss ein bitteres Resümee gezogen, in einem Kommuniqué heißt es: „Die Ermittlungen im Fall Kampusch sind, neben offensichtlichen Ermittlungsfehlern, dadurch gekennzeichnet, dass Ermittlungsschritte unterlassen worden sind, die unter Umständen zu einer umfassenderen Klärung des Falles hätten beitragen können.“ Zur Frage, ob die Ein-Täter-Theorie haltbar sei, bleibt der Unterausschuss jedoch vage: Ob Entführer Wolfgang Priklopil „Helfer oder Mitwisser hatte, welche auch nicht mit Frau Kampusch in Kontakt gekommen sein müssen“, könne „aufgrund des Todes von Priklopil und der vorliegenden Ermittlungsergebnisse nicht abschließend beantwortet werden“.

Staatsanwaltschaften wehren sich
Zuletzt kamen auch geharnischte Vorwürfe seitens der Staatsanwaltschaften Wien und Innsbruck (in Wien wurde der Fall Kampusch ermittelt, in Innsbruck wurde ein Amtsmissbrauchsverfahren gegen Kampusch-Staatsanwälte geführt – und eingestellt): Der Unterausschuss übe Pauschalkritik, zeige keine konkreten Versäumnisse der Anklagebehörden auf.

Auch werde übersehen, dass die ursprünglichen Kampusch-Erhebungen im Jahr 2006 (Kampusch-Flucht: August 2006, Ende der ersten Ermittlungen: November 2006) nicht auf Geheiß der Anklage, sondern laut alter Strafprozessordnung auf Basis des polizeilichen Abschlussberichts endeten.

http://diepresse.com/home/panorama/oesterreich/1264598/KampuschEntfuehrung_FBI-rollt-Fall-neu-auf?_vl_backlink=/home/panorama/oesterreich/index.do
« Letzte Änderung: 12 Juli 2012, 17:29:27 von Miss Marple »

Politicus1Gast

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MM - danke!
jetzt ist aber die Frage, ob die ausländischen Aufdecker, nur die bisherigen Ermittlungen und Verfahren evaluieren - oder eben gegebenfalls auch in der Sache selbst handlungsbefugt sind. Ich bezweifle letzteres, weil es den österr. Justiznormen widersprechen würde.
Daher muss Freitag, der 13. nicht zwangsläufig für hier Bekannte ein Unglückstag sein.
Ich kann mir ein Ergebnis vorstellen, dass hier aufgezeigte Mängel deutlicher negativ bewertet, als das bisher von den ö. Behörden getan wurde.
Z.B. die Vorgänge rund um den Hundeführer und den TF.
Nicht erwarte ich eine klare Aussage, dass bisher unterlassene justizielle Einvernahmen unter Wahrheitspflicht mit entsprechender Strafandrohung endlich durchzuführen seien.
Und damit wird höchstwahrscheinlich weiterhin manches durch den Selbsttod des Einzeltäters nicht gänzlich klärbar sein ...

silversurfer

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@politicus : ....... aber ein heimliches FEMEGERICHT  oder eine (brasiliianische ) beamtete TODESSCHWADRON  konnten die bmi und bmj schwerlich einrichten ................
     im übrigen : ging das  kommunique des unterausschusses (so wie seeh in seinem nunmehrigen artikel) wirklich unmissverständlich von einem suizid  des verstorbenen WP aus , sodass nur die alleintäterschaftslösung evaluiert werden soll  ? 
   

gillian gast

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Nein, keineswegs. Im Kommunique wurde die Klippe verbal elegant umschifft,  keineswegs der SUizid als eindeutig und geklärt dargestellt.
Trotz allem, ich bezweifle, daß der Filz gelüftet werden soll/kann/darf etc. 

Lilly Rush

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Den Vertreter vom Verfassungsschutz finde ich "lieb".
Was macht der da? Aufpassen, dass niemand die Wahrheit rausfindet?

Politicus1Gast

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Interessant und auch bezeichnend!
Zum PRESSE-Online Bericht des Manfred Seeh werden von der PRESSE-Zensur anscheinend nur Kommentare durchgelassen, die das ganze ins Lächerliche ziehen.
Habe versucht, sachlich einen positiven Schluss zu dieser Entwicklung zu schreiben - Zensur lässt's nicht durch ...
Was ist da MÖGLICHERWEISE wieder für ein Netzwerk am Werk?
Schlussfrage:
heute fiel mir wieder ein: was ist eigentlich aus dem "gewichtigen" Mann geworden??

gillian gast

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Daß so viele "hohe Beamte" unserer involvierten Ministerien mitarbeiten, erregt mein Mißtrauen. Was werden die tun? Akten...äh... hin- und hertragen, den Langenscheidt durchblättern(wie übersetzt man  das wienerisch-konziliante "mir werdn kan Richter brauchn" , abwiegeln, beschwichtigen, wegerklären? Ich habe vorhin versehentlich mein Posting gelöscht und wiederhole daraus - ich kann mir nicht vorstellen, daß nach so vielen Jahren höchst ersprießlicher und  zielführender Zusammenarbeit plötzlich die sprichwörtliche Krähenaugen-Aushackerei ausbrechen wird. Niemals. Davon bin ich überzeugt.Weiters, wie wir wissen,bestehen  ho. gute Kontakte zum Fbi (damit meine ich jetzt einmal  nicht den Psychologen Dr.Müller). So viel zur Hundeführergeschichte.

Im Standard-Blog fragte jemand, ob nun auch Frau Kampusch mitarbeiten werde. Guter Gag, finde ich.



gillian gast

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korr. im Presse-Blog, Standard war Versehen.

Lilly Rush

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Zitat
ein Vertreter des Verfassungsschutzes

Danke, jetzt is' ma klor, es ist wohr, es ist wohr.

BVT

Offline Miss Marple

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Zitat
hohe Beamte des Innen- und Justizministeriums (ebensolche sitzen auch im übergeordneten Steering Committee)

Nennt man das nicht gemeinhin den Bock zum Gärtner machen? Ich könnte mich nicht erinnern, dass auch nur irgendwer jemals
nach DIESEN Beamten zwecks Evaluierung gerufen hat! Das Vertrauen in eine objektive Evaluierung des Falles steigt damit jedenfalls in schier unermeßliche Höhen!

Besonders aussagekräftig finde ich auch die dankenswerterweise gleich frei Haus mitgelieferte Erklärung:

Zitat
Wir haben unsere Experten für diese neuerliche Überprüfung zur Verfügung gestellt und wollen damit auch aufzeigen, dass wir nichts zu verbergen haben!

Was für ein Widerspruch! Voll ins Schwarze (wieder einmal)!


silversurfer

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--für die justiz am besten gleich den sektionschef P, der schon bisher keinen hauch von ermittlungsansatz sah :)

Offline Miss Marple

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Bin ja schon gespannt auf die jeweiligen Namen...

silversurfer

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--wenn sie wenigstens einen einzigen renommierten vertreter der anwaltschaft mit reingenommen hätten : etwa den compagnon von ganzger :) --- und wo nehmen sie im justizministerium bessere experten als die bisher in der sache werkenden   her ? :)

silversurfer

  • Gast
----mit unabhängigen richtern haben sie in dieser causa offenbar schon genug negative erfahrungen :)

Offline Miss Marple

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Tja, die Auswahl und Anzahl der heimischen Experten gibt Ihnen eindeutig recht!