Autor Thema: Letzte Fahrt von Wolfgang Priklopil  (Gelesen 3474 mal)

Offline Reichmann

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Letzte Fahrt von Wolfgang Priklopil
« am: 17 Februar 2012, 13:33:50 »
Aufnahme transkribiert vom Band des Lokalaugenscheins. Angaben in Klammern sind die Zeitanbagen am Band.

(0:00)
K: Herr H gibt erstmals an, dass er in der Walcherstraße seinen Standort bezogen hat, ändert seine Angaben dahin gehend ab, dass es an einer anderen Örtlichkeit gewesen sei. H gibt um 10.10 an, dass er mit seinem Fahrzeug in der Höhe der Haussteinstraße 2b erstmals stehen geblieben wäre. Von diesem Standort aus hat er dann, wie feststeht, um 14:52 den Anruf mit Z. F. geführt.
K: Wie lange sind sie da gestanden?
H: Ungefähr eine Stunde.
K: Ungefähr eine Stunde sind sie da gestanden. An dieser Stelle sind da in der Folge Bauarbeiter hin und her mit weißer Arbeitskleidung vorbeigekommen, vorbeigegangen.
An diesem Standort, gibt H an, war die Situation mit seinem Freund am Ärgsten, er war in einem schlechten Zustand und hat er schon hier gesagt, dass er vor hat mit dem Fahrzeug gegen eine Wand zu fahren?
H: Ja.
K: Auch hier an diesem Standort hat, laut Angaben des Herrn H, Priklopil zu ihm gesagt, dass er vorhabe einen Selbstmord zu begehen und auch vorhabe mit dem Auto gegen die Wand zu fahren. Ist das richtig?
H: Ja.
K: Gegenüber dem Standort wäre nach Angaben des H auf einer freien Fläche, auf einem Parkplatz, ein großer Silo gestanden und abgegrenzt eine Baustelle.
An diesem Standort hat Herr H auch alle Handys ausgeschaltet, er hat zu diesem Zeitpunkt drei Handys mitgeführt und hat dann von einem Handy aus noch den Herrn Z. F. angerufen und ihm gesagt, dass er nach Hause gehen kann.
Nachdem im Bereich Engertstraße/Hausteingasse auch Polizeifahrzeuge vorbeifuhren die Bauarbeiter sich auch gewundert haben, die da vorbeigegangen sind, sich wunderten, hat Priklopil Herrn H gebeten einen Standortwechsel vorzunehmen. Weil er Angst gehabt hat, dass er erkannt wird. Dass er durch die Mitteilungen vom Radio erkannt werden könnet hat er sie gebeten einen Standortwechsel vorzunehmen. Ist das richtig?
H Ja.
K: Als sie von diesem Standort weggefahren sind sie in der Folge – hier im Fahrzeug hat er schon gesagt, dass er seinen Selbstmord vorhabe – indem er mit ihrem Auto gegen eine Wand fahren will. Dann sind sie mit ihm weggefahren, weil die Polizisten da waren, und die Bauarbeiter da waren und er Angst gehabt hat, dass er entdeckt wird.

(4:00)
K: Sie sind von da weggefahren um eine geeignete Stelle für den Selbstmord zu suchen. Ist das richtig?
Anwalt: Er wollte ihm zeigen, dass das nicht geht.
K: Aber gesucht haben Sie?
H: Ich habe ihm nicht gesagt: „Nein das soll er nicht machen“, sondern ich wollte ihm – indirekt – beweisen, dass das sowieso nicht geht.
Anwalt: Da gibt es keine Betonwände.
K: Nach dem Standortwechsel geht die Fahrt weiter auf der Ingertstraße, dann wir nach links abgebogen in die Weschelstraße, am Ende der Weschelstraße wird nach rechts abgebogen in die Vorgartenstraße, von der Vorgartenstraße in die Holubstraße, dann wieder nach links in die Engertstraße. Dann wieder eingebogen in die Bilertstraße.
Herr H gibt an, dass er nach dem Verlassen des ersten Standortes grundsätzlich sich erinnern kann an die Fahrtstrecke und meint, dass er irgendwo herumgefahren sei, das er aber heute nicht mehr konkret angeben kann.
Jedenfalls kann er sich erinnern, dass er dann vom ersten Standort weg Richtung zu dieser Tankstelle gefahren sei und dort praktisch den Einkauf getätigt hat.
Herr H fährt wieder auf der Engertstraße weiter und zwar bis in die Höhe zum ersten Standort zurück, der sich in der Hausteingasse befand. Beim ersten Standort vorbei, wieder die Hausteingasse zurück, wiederum nach rechts in die Engertstraße, nach rechts in die Walcherstraße, von der Walcherstraße nach links in die Vorgartenstraße, dann nach rechts in die Lasalstraße.

(7:07)
K: Bei der Tankstelle handelt es sich um die Avanti-Tankstelle. Herr H gibt an, dass er in der Nähe dieser Tankstelle stehen geblieben wäre, er ist dann aus dem Fahrzeug ausgestiegen, hat den Schlüssel abgezogen, hat den Einkauf getätigt, ist zum Fahrzeug zurückgekehrt und wäre dann wieder einige Zeit gestanden, wäre dann einige Runden gestanden und wieder zu diesem Standort zurückgefahren.
Nach einigen Runden wieder zum Standort zurückgekehrt, und irgendwo aus einem Haus auf der gegenüberliegenden Seite hat eine Frau heraus gesehen, immer wieder. Worauf der Herr Priklopil wieder in Panik gerät und neuerlich ersuchte wegzufahren.
H sagt, dann sind sie weitergefahren zu einer Plakatwand, wo sie dann ausgestiegen sind. Am Standort vor der Tankstelle wäre der Herr H ungefähr eine Stunde lang gestanden.
Die Runden, die er dann gefahren ist, kann er sich nicht mher genau erinnern. Der nächste Standort, war dann die Plakatwand, wo er und der Herr Priklopil ausgestiegen sind.
Auch an diesem Standort vor der Tankstelle wären ab und zu Polizeifahrzeuge vorbeigefahren, hat er sich da geschreckt, haben Sie die wahrgenommen?
H: Ja schon, er war schon beunruhigt.
K: Herr Priklopil war beunruhigt und Sie nicht, oder wie?
H: Na ja…
Anwalt: Er hat ja nichts angestellt, hahaha.
K: Herr H fährt auf die Nebenfahrbahn der Nordbahnstraße und zwar beginnend mit der Hausnummer 12 und bleibt in Höhe des Hauses mit der Nummer 12 stehen.
(9:09)
Nach Angaben des Herrn H wäre er auch an diesem Standort eine Stunde, oder eineinhalb Stunden stehen geblieben. An diesem Standplatz in der Nordbahnstraße 12 sind Herr H und Herr Priklopil ausgestiegen.
Sie sind vorher eine zeitlang gesessen und da sind auch wieder Polizeifahrzeuge vorbeigefahren.
H: Ja, ja.
(9:45)
K: Nach dem Aussteigen sind Herr H und Herr Priklopil zu der Plakatwand gegangen, wo Herr Priklopil ein geeignetes Versteck für die Nach haben wollte.
Herr H meint, dass es beim Spaziergang hinter den Plakatwänden noch hell war.
Herr H gibt an, dass er hier mit Herrn Priklopil spazieren ging und schaute, ob es eine Möglichkeit gibt, wo sich Herr Priklopil verstecken kann.
Ungefähr an der fotografisch festgehaltenen Stelle meinte Herr H, hätte Herr Priklopil eine geeignete Stelle gefunden, die er für geeignet hielt, hier die Nacht zu verbringen.
Wobei damals hinter der Plakatwand Gerümpel und Gebüsch war, dass heißt nicht so wie heute, wo diese Hölzer gekürzt sind.
Fahrzeuge wären – im Gegensatz zu heute – fast keine gewesen.
(11:00)
K: Festgehalten wir, dass damals am 23.8.2006 – im Gegensatz zu heute – parallel zu dieser Zufahrt oder Nebenfahrbahn die Gleisanlagen der ÖBB bestanden haben.
Das Spazierengehen hinter der Plakatwand habe nach Angaben des Herrn H eigentlich kurz gedauert. Mit Sicherheit weniger als eine halbe Stunde.
Sind damals Züge vorbeigefahren, haben Sie das wahrgenommen?
H: Ja, es war schon was.
K: Es war schon so, dass Züge an diesem Standort, wo spazieren gegangen wurde vorbeigefahren sind.
Anschließend an diesen Spaziergang begaben sich Herr Priklopil und Herr H wieder zum Fahrzeug zurück, stiegen ein und blieben wieder einige Zeit im Fahrzeug sitzen, wobei der Herr H angibt, dass Herr Priklopil im gegenüber meinte er warte ab bis es dunkel wird.
Er meinte Herr H soll so lange bei ihm bleiben, bis es dunkel wird.
(12:20)
K: Herr H bestätigt, dass eine niederschriftlich festgehaltenen Angaben, wonach er hie an diesem Standort, dem Herrn Priklopil einen Zettel einen so genannten Zettel übergab und Herr Priklopil auf diesen Zettel das Wort „Mama“ geschrieben habe.
Jedenfalls ist Herr H mit Herrn Priklopil in die Eberlgasse gefahren un dort sein Fahrzeug eingeparkt. An diesem Standort sind sie dann etwa eine Stunde gestanden. An diesem Standort wäre es dann dämmrig geworden.
An dieser Stelle sei dann Herr Priklopil ausgestiegen und hat sich von Herrn H verabschiedet, indem er ihm noch die Hand gibt. Ist das richtig?
H: Ja.
K: Im Fahrzeug die Hand gibt.
H: Ja.
K: Herr H war beim Aussteigen des Herrn Priklopil nicht mit ausgestiegen, sondern ist im Fahrzeug sitzen geblieben.
Nach Einschätzung des Herrn H stieg Herr Priklopil gegen 20 Uhr aus seinem Fahrzeug aus.
Nach dem Aussteigen des Herrn Priklopil in der Eberlgasse ist Herr H von diesem Standort weggefahren und habe dann über das Radio erfahren, dass das Donauzentrum im Zusammenhang mit der Entführung, des Entführungsfalls, durchsucht worden sei.
(14:20)
K: Herr H gibt konkret an, dass er nach dem Aussteigen des Herrn Priklopil er erst sein Radio im Auto eingeschaltet hat und dann die 8 Uhr Nachrichten gehört habe.
Über Befragung gibt Herr H an, dass er nach dem Aussteigen er schon gesehen habe, dass Herr Priklopil sich zu der Plakatwand begab, dass hat er gesehen und ist dann weggefahren.
(15:00)
K: Also für Sie war eindeutig erkennbar, dass er sich zu dieser Stelle zurück begibt, die er geeignet empfunden hat, wo er die Nacht verbringen kann, nämlich hinter der Plakatwand.
Danach ist Herr H – wie nach seinen Angaben in der Einvernahme – direkt in die Perfektastraße gefahren, wobei die Wegstrecke die war, dass er vorerst über den Praterstern, zur Rossauer Lände und dann über die Süd-Ost-Tangente in die Perfektastraße.
Haben Sie auf dieser Rückfahrt auch Polizeifahrzeuge gesehen?
H: Ja, schon auch.
K: Er gibt an, dass er auf der Rückfahrt Polizeifahrzeuge wahrgenommen habe.
Haben Sie auch an diesem Standort Polizeifahrzeuge gesehen?
H: Auch.
K: Auch an diesem Standort in der Eberlgasse wären ihm vorbeifahrende Polizeifahrzeuge aufgefallen.

Der Augenschein selbst ist um 11:10 beendet und wird in der Eberlgasse abgeschlossen.
« Letzte Änderung: 17 Februar 2012, 19:10:51 von Reichmann »
Roland Reichmann
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gunbert

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Re: Letzte Fahrt von Wolfgang Priklopil
« Antwort #1 am: 17 Februar 2012, 13:44:10 »
Dachte immer, er hätte kein Radio gehört?

Ausserdem hat der Glückliche immer einen Parkplatz gefunden, obwohl er ja dauernd Standort wechseln musste. Fährt enge Gassen und Nebenstrassen, und das alles mit seinem Anhänger!!
Nur am Stillfriedplatz wird er mit Anhänger keinen Parkplatz finden, weiss der clevere Kopf schon im Vorhinein....

Offline Miss Marple

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Re: Letzte Fahrt von Wolfgang Priklopil
« Antwort #2 am: 17 Februar 2012, 14:17:31 »

Er hat ja eh kein Radio gehört!  ;)

Und auch bei Polizeikommissariaten...

gunbert

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Re: Letzte Fahrt von Wolfgang Priklopil
« Antwort #3 am: 17 Februar 2012, 14:23:04 »
K: Herr H gibt konkret an, dass er nach dem Aussteigen des Herrn Priklopil er erst sein Radio im Auto eingeschaltet hat und dann die 8 Uhr Nachrichten gehört habe.

WEnn er die gehört hat, müsste er von der Flucht gehört haben....
Hab aber irgenwo im Hinterkopf, dass er so fertig war und deswegen das Radio nicht gehört hat.

Offline Miss Marple

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Re: Letzte Fahrt von Wolfgang Priklopil
« Antwort #4 am: 17 Februar 2012, 14:34:18 »
Wer würde denn bitte auf der Flucht NICHT Radio hören?

Noch dazu, da EH ZUVOR angab, dass sich WP vor den Mitteilungen im Radio fürchten würde, und trotz seiner vorausblickenden Angst ist er dennoch noch so cool, um auszusteigen.

Ihr letzter Satz kommt mir auch irgendwie bekannt vor, jetzt wo Sie es sagen!
« Letzte Änderung: 17 Februar 2012, 14:36:06 von Miss Marple »