Autor Thema: Umfeld Rennbahnweg  (Gelesen 2209 mal)

Offline Mitleser

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Umfeld Rennbahnweg
« am: 27 März 2012, 11:15:59 »
Ich habe den Eindruck, dass hier die Themen und Probleme in einer "Familie" der Unterschicht falsch eingeschätzt werden.
Auch wird die Arbeit des Jugendamtes viel rosiger gesehen, als sie ist.

Ein paar Orientierungen:
Wir agieren hier in einem Forum unter Menschen, die ihre Gedanken schriftlich zusammenfassen und argumentieren können.
Dort geht es um Menschen, die das nicht können.
Es geht um Menschen, deren IQ im Graubereich zwischen Hilfsarbeit und geistiger Behinderung liegt.
Menschen, die nicht in der Lage sind, selbst zu entscheiden, welche Kleidung der 8-jährige Kevin anziehen soll, wenn er das Haus verlässt. Die daher von einer MitarbeiterIn des Jugensamts einen fotokopierten Zettel an die Innenseite der Wohnungstüre geklebt bekommen, mit 3 Spalten:
heiss - mit Sonnensymbol  /  normal  /  arschkalt - mit Schneeflocke
in diesen 3 Spalten sind 3 Männchen.
Das Männchen bei "heiss" trägt Sandalen, eine kurze Hose, T-Shirt und Kappe, das Männchen bei "arschkalt" eine Haube, eine dicke Jacke, Handschuhe und einen Schal.

Es geht aber nicht nur um fehlende Lebenstüchtigkeit aufgrund mangelnder Intelligenz - es geht auch um die völlige Abwesenheit vieler Normen, die uns vertraut sind und die wir als selbstverständlich ansehen.
Was sind solche z.B. Normen?
  • Eigentum - in manchen "Familien" ist es völlig normal, dass Eltern und Kinder sich bestehlen
  • Fürsorge - es gibt dort Menschen, denen völlig die Einsicht fehlt, dass sie für ihren Nachwuchs sorgen sollen (Nachbarin gibt Essen durch den Briefschlitz)
  • sittliche Moral - Promiskuität ist selbstverständlich und die Inzest-Schranke ist instabil.

Und dann soll das Jugendamt "etwas" tun.
Was tut es? Es hat extrem begrenzte Ressourcen. Die Mitarbeiter des Jugendamts müssen daher versuchen, Schadensbegrenzung zu betreiben.
Es gibt keine 50 Wohnplätze in Reserve, die geeignet sind, um missbrauchte Kinder in Akutsituationen aufzunehmen.

Die Sozialarbeiter stecken in einer fürchterlichen Situation - rechtlich tief im Graubereich, auf jeden Fall "schuldig", wenn etwas passiert - aber keine Ressourcen, um etwas zu ändern. Jeder, der kann, flieht so rasch wie möglich, oder brennt aus.

Sie setzen daher die Kindesabnahmen sehr vorsichtig ein. Wenn Sie zu offensiv agieren, verlieren sie den Kontakt. Dieses "vorsichtig agieren" führt dazu, dass "leichte" Misshandlungen (ohne bleibende Schäden) "übersehen" werden, um zu verhindern, dass Schlimmeres passiert.

Offline surok

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Re: Umfeld Rennbahnweg
« Antwort #1 am: 27 März 2012, 13:06:11 »
meine liebste hat dort schon streetwork-arbeit mit den jugendlichen gamcht, und ich darf deshalb hinzufügen: da geht es um menschen die ohne scham im wohnzimmer bei anwesenheit ihrer kinder pornos schaun, und da gehts um familien, wo 12-jaehrige erwachsene jugendarbeiter bespucken, mit dem ball abschiessen und gewalt anwenden

gillian

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Re: Umfeld Rennbahnweg
« Antwort #2 am: 27 März 2012, 13:15:20 »
Einspruch, Euer Ehren. Man kann doch nicht generell Gemeindebau-Bewohner als minderbegabt bezeichnen.
Der von Ihnen angesprochen Graubereich zwischen Hilfsarbeit und Betreuung würde ab einem IQ von ca. 70 nach unten liegen. Ich meine, daß man das viel differenzierter und auch auf den Einzelfall zugeschnitten beurteilen muß: BS würde ich keinesfalls intellektuell dort ansiedeln, die Dame ist sicherlich auch nicht als naiv und leichtgläubig wegen mangelnder intellektueller Begabung zu bezeichnen.

Sie mögen  in Einzelfällen völlig Recht haben - aber generalisieren darf man so nicht.

Ihren drei Punkten stimme ich im großen und ganzen vorsichtig zu. Man muß  bedenken, daß es  schwer bis fast unmöglich ist, aus den tradierten Werthaltungen auszubrechen. In der Regel wird unweigerlich weitergegeben, was man selbst erlebt und erlitten hat, weil das unbewußt  und unreflektiert einfach als normal empfunden wird. In der Regel, möchte ich betonen,  man kann sich, wenn man vom Leben Chancen erhält, mit viel Anstrengung wenigstens grundsätzlich davon befreien.

Wenn ich lese, daß BS mit dem JA  wegen NK in Kontakt war , und sogar mehrere Male die Gespräche mit der Psychologin gesucht hat, habe ich den Eindruck, daß sie ihr bestes getan hat  - sie hätte die Psychologin ja nicht unbedingt  öfter als einmal aufsuchen müssen. Gezielte Psychotherapie od. "psycholog.Behandlung seitens eines "Klinischen Psychologen" ist nicht dasselbe wie ein Psychologengespräch. Also von Behandlung würde ich da nicht sprechen. Die JÄ sind doch weder strukturell noch finanziell in der Lage, Psychotherapien gratis anzubieten - da fehlt es bei weitem.

BS hat sich jedenfalls in punkto NK nicht der J-amtlichen Aufsicht zu entziehen versucht, über einige Jahre hinweg jedenfalls nicht, trotz ihrer Lebensumstände, die dem JA sicher nicht so gefallen haben - sie ist dennoch dort vorstellig geblieben und hat sich nicht mit der Behörde angelegt, was sehr viele Familien zwecks Vertuschung von Mißständen hartnäckig immer wieder probieren und prolongieren können.

Vlt fand sie das quasi "dritte" Elternbein "JA"  als notwendiges Übel "normal"? Man muß zu einer solchen Beurteilung auch die Familiengeschichte kennen.

Daß die Sozialarbeiter relativ viel Freiraum in ihrer Einschätzung einer mißlichen Lage haben, hat sich m.E. über Jahrzehnte nicht geändert. Ich mußte einmal mit Gutachten und politischer Hilfe darum kämpfen, daß ein wunderbares Kind seiner ebensolchen Mutter, die bewältigbare kleine Probleme - und keinen Mann - hatte, und wo es sogar eine jahrelang eingebundene liebevolle als Großmutter fungierende Nachbarin gab, NICHT abgenommen wurde.Die zustndige DSA hatte gewaltig fehleingeschätzt und überreagiert.

All dies bedenkend, fällt mir auf, daß ich noch nie vn einer regelmäßig am Rennbahnweg vorbeischauenden DSA gehört oder gelesen habe. Beim  JA scheint die Situation nicht so schockierend empfunden worden zu sein?
Es hat offenbar genügt, daß BS Kontakt gehalten hat, bis zu NK's Verschwinden jedenfalls.

Wenn es also sehr wichtig war etwas zu verbergen (wie ich gestern überlegt habe), warum hat sich dann BS dem Aufwand unterzogen, mit dem Kind immerhin mehrmals freiwillig zu solchen Kontakten zu kommen? Verwirrend, im Moment jedenfalls.

gillian

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Re: Umfeld Rennbahnweg
« Antwort #3 am: 27 März 2012, 13:23:59 »
@ surok:ja eh, das glaube ich - weiß ich - auch. Siehe dritter Punkt von Mitleser. Die sog.moralischen Maßstäbe sind in einer gewissen sozialen Schicht einfach anders (und jetzt muß ich unbedingt hinzufügen, etwas polarisierend halt wegen der Kürze,:  in der sog.Oberschicht wird derlei  halt nicht so schnell sichtbar).Daher würde ich auch die Mitnahme eines Kindes in ein Rotlichtlokal nicht als Indiz werden, wenn sonst nichts auffällt.Die Grenzen der  Normalität sind da anders angsetzt.

Stimme Ihnen auch grundsätzlich hinsichtlich Enuresis zu. Das ist nicht so einfach fernzudiagnostizieren, wie schon einmal vorgeschlagen.

Offline surok

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Re: Umfeld Rennbahnweg
« Antwort #4 am: 27 März 2012, 15:03:05 »
ja gebe ihnen recht, was in der donaustadt offen zu tage tritt, findet in hietzing oder döbling unter dem klarpolierten lack der designermoebel statt....ich sage nur haneke..subtil aber umso grausamer


auch mit der JA-sache bin ich mir ebenso unsicher wie sie: da werden hier sehr schnell gefährliche verknüpfungen getroffen, die zwar passend erscheinen, aber sich recht weit von der faktenlage entfernen...trotzdem kann man sie ja mal denken diese verknüpfungen

sehe bei dem JA-akt auch noch nicht klar, zumindest was den akt in 22 wien betrifft, denke dass da natürlich ein akt auflag wegen der trennungssache, bzw. wegen der obsorge, bzw. wegen der besuchszeiten

die spätere freundin von koch sah ja in der badewannen die striemen oder was immer und fragte koch, warum er nichts melde...seine antowort dahingehend, dass er NK nicht verlieren moechte....

jeder kennt in seinem bekanntenkreis einen roseetnkriegfall um kinder und weiss, zu welchen mitteln beide sieten greifen...kind muss begutachtet werden...ehemalie ehepartner bewerfen sich mit uebelsten schmutz, bedienen sich aussagen der wohnungsnachbarn ("vater hat immer geschrien", "mutter hat kind mal an den haaren gezogen")

sehr wahrscheinlich, dass dan auch sowas wie bettnässen mal vorgelegt wird


bin froh, dass endlich jemand bekundet, dass bettnässen an sich absolut harmlos ist (mir ist natürlich bewusst, dass es mehr bedeuten kann, aber die grundkausalität beim bettnässen ist halt einfach eine ganz andere)


Offline Mitleser

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Re: Umfeld Rennbahnweg
« Antwort #5 am: 28 März 2012, 01:30:25 »
Einspruch, Euer Ehren. Man kann doch nicht generell Gemeindebau-Bewohner als minderbegabt bezeichnen.
Wo tue ich das?
Ich mache etwas völlig anderes: Ich versuche die Skala abzustecken.
Und an einem Ende der Skala gibt es Menschen die dumm und amoralisch sind. Diese Skala hat aber nichts mit arm/reich zu tun!
Zitat
Wenn ich lese, daß BS mit dem JA  wegen NK in Kontakt war , und sogar mehrere Male die Gespräche mit der Psychologin gesucht hat, habe ich den Eindruck, daß sie ihr bestes getan hat  - sie hätte die Psychologin ja nicht unbedingt  öfter als einmal aufsuchen müssen.

/Ironie on:
Ich seh die gute Brigitta vor mir: "Bitte liebes Jugendamt können sie mir vielleicht einen guten Psychologen empfehlen? Meine liebe Tochter hat wieder zu bettnässen begonnen und nimmt so schrecklich viel zu. Ob sie etwa die Fotos mit den Reitstiefeln oder das Bild mit den roten Hotpants falsch verstanden hat?"
/Ironie off

Zitat
All dies bedenkend, fällt mir auf, daß ich noch nie vn einer regelmäßig am Rennbahnweg vorbeischauenden DSA gehört oder gelesen habe. Beim  JA scheint die Situation nicht so schockierend empfunden worden zu sein?
Es hat offenbar genügt, daß BS Kontakt gehalten hat, bis zu NK's Verschwinden jedenfalls.

Grmpf! Darf ich daran erinnern, dass das Jugendamt deponiert hat: "Wenn NK auftaucht, darf sie nicht zur "Familie".
Schon einmal überlegt, warum das Jugendamt dies fordert? Welches Ausmass an Schweinereien notwendig ist, dass jemand sagt: "Mag sein, dass dieses Kind entführt wurde und von der Entführung ein Trauma hat - aber _nach_ der Entführung darf sie nicht zu den Eltern, weil dies noch schlimmer wäre."

Zitat
Wenn es also sehr wichtig war etwas zu verbergen (wie ich gestern überlegt habe), warum hat sich dann BS dem Aufwand unterzogen, mit dem Kind immerhin mehrmals freiwillig zu solchen Kontakten zu kommen? Verwirrend, im Moment jedenfalls.
Ich darf dazu zitieren:
Zitat
BS würde ich keinesfalls intellektuell dort ansiedeln, die Dame ist sicherlich auch nicht als naiv und leichtgläubig wegen mangelnder intellektueller Begabung zu bezeichnen.
Wie kommen Sie auf die Idee, dass es freiwillig war?