Autor Thema: ZEIT: Fall Kampusch: Nicht schon wieder (J. Riedl, 8.3.12)  (Gelesen 1918 mal)

Graaf

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http://www.zeit.de/2012/11/A-Kampusch/seite-1

Für die ZEIT kommentiert Joachim Riedl das Geschehen. Aber anders als sein ehemaliger ZEIT-Kollege Klenk, der gestern im Falter zumindest dem Anschein nach objektiv an die aktuellen Entwicklungen heranging, mein Riedl gleich zu Beginn Fakten schaffen zu müssen:

Zitat
Alle Spuren wurden gesichert, Dutzende von Kriminalisten sowie drei unterschiedliche Staatsanwaltschaften haben wieder und wieder Zeugen verhört und alle Fakten durchgekaut. Immer mit dem nämlichen Ergebnis: Natascha Kampusch war das Opfer eines Einzeltäters, der das zehnjährige Mädchen auf dem Schulweg in seinen Wagen zerrte, acht Jahre lang in seinem Einfamilienhaus eingesperrt hielt und auf einem Bahngeleis Selbstmord beging, nachdem seine mittlerweile 18-jährige Gefangene entkommen konnte. Punkt.

Auf genaueres Eingehen auf Versäumnisse und Ungereimtheiten bei den Ermittlungen verzichtet Riedl großzügig, aber ohne dabei zu vergessen, von "Verschwörungstheorien" und "verschwitzten Männerfantasien" zu schreiben und hinter den Aktivitäten des Unterausschusses und vor allem der Abgeordneten Amon und Belakowitsch-Jenewein politische Ablenkungsmanöver zu sehen.

Dass man den Fall und viele seiner Details auch anders einschätzen kann, ist für Riedl unmöglich zu verstehen:

Zitat
Mittlerweile dürfte die Affäre endgültig außer Kontrolle geraten sein. Die letzten Realitätsanker wurden gekappt, und irrwitzige Behauptungen werden mit dem Ernst eines naturwissenschaftlichen Proseminars erörtert.

Nach einem wohl freundschaftlichen Zitat aus Klenks gestrigem Falter-Artikel, aus dem er die Charakterisierung Rzeszuts als "konservativ" übernimmt, holt er nochmals zur Medienschelte aus:

Zitat
Bereits in den ersten Stunden und Tagen nach der Selbstbefreiung von Natascha Kampusch hatte sich eine bis dahin unbekannte Form des Hyänen-Journalismus breitgemacht. Nun, in der Phase der Viertverwertung, schmatzen die Reporterrudel noch immer genüsslich.

Das Beste hat sich der erfahrene Autor Riedl (siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Joachim_Riedl ) natürlich für den Schluss aufgehoben: allen Ernstens nennt er des THEMA-Interview ein, Achtung Festhalten, "Fernsehverhör"!.


Wie man als erfahrener Journalist zu so einer Einschätzung kommen kann, ist mir sehr rätselhaft. Die journalistische Reputation des Herrn Riedl wird dieser Artitel wohl kaum zu erhöhen im Stande sein, er reiht sich ein in die Gruppe jener Medienmenschen, bei denen das Bedürfnis nach Wahrheit und Aufklärung sehr selektiv zu sein scheint.

Offline consuela

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Re: ZEIT: Fall Kampusch: Nicht schon wieder (J. Riedl, 8.3.12)
« Antwort #1 am: 08 März 2012, 22:01:47 »
wow, ein Tiefpunkt, dieser Artikel.
 
Durch welche Filter der räumlichen Distanz hat Riedl den Artikel geschrieben? Ach, Irrtum, Riedl lebt ja in Wien! Also muss was anderes dazwischen gekommen sein.

Na ja, wo kein Richter, da kein Kläger.

Witzig wäre, wenn NK der ZEIT entgegnet, dass Feurstein sie nicht verhört hat. Und wie der darauf kommt.  ;)