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Zusammenfassung

Autor: Andreas Ranovsky
« am: 13 Mai 2012, 10:02:21 »

Weitere Dokumentation durch AR wird aus technischen Gründen demnächst weitergeführt in:

Public Watchdogs SKANDALHEIM WILHELMINENBERG
http://www.dieaufdecker.com/index.php/topic,342.0.html

Aufdecker-Hinweis:

SKANDALHEIM WILHELMINENBERG - Hilfreiche Kommentare
http://www.dieaufdecker.com/index.php/topic,285.0.html

FÜR DAS REALE WOHL ALLER MENSCHENKINDER, BESONDERS FÜR ALLE TRENNUNGSOPFER =

FÜR DAS OBJEKTIVE WOHL ALLER MENSCHENKINDER, BESONDERS FÜR ALLE TRENNUNGSOPFER

FÜR DAS REALE KINDESWOHL = FÜR DAS OBJEKTIVE KINDESWOHL

Autor: Andreas Ranovsky
« am: 01 Mai 2012, 05:36:03 »

W15 noch kein Text
Autor: Andreas Ranovsky
« am: 01 Mai 2012, 05:35:28 »

W14 noch kein Text
Autor: Andreas Ranovsky
« am: 01 Mai 2012, 05:34:54 »

W13 noch kein Text
Autor: Andreas Ranovsky
« am: 01 Mai 2012, 05:34:19 »

W12 noch kein Text
Autor: Andreas Ranovsky
« am: 01 Mai 2012, 05:33:16 »

W11 noch kein text
Autor: Andreas Ranovsky
« am: 24 April 2012, 11:33:31 »

W10 noch kein text

SKANDALHEIM WILHELMINENBERG - Hilfreiche Kommentare
http://www.dieaufdecker.com/index.php/topic,285.0.html
Autor: Andreas Ranovsky
« am: 24 April 2012, 11:33:03 »

W09 - NIE WIEDER SKANDALHEIM WILHELMINENBERG

17.10.2011 KURIER http://kurier.at/nachrichten/wien/4307173.php

THEMA: SKANDALHEIM WILHELMINENBERG

Skandalheim: Jetzt reden die Erzieherinnen

Der KURIER hat Schwester Linda gefunden. Die braun gebrannte, athletische 69-Jährige spricht über ihre Zeit als Betreuerin am Wilhelminenberg. Lesen Sie zwischen den Zeilen.

LETZTES UPDATE AM 17.10.2011, 16:44

"Ich war schon streng": Schwester Linda beim KURIER-Interview.
(Persönliche Anmerkung: Text zum Foto-1)

KURIER: Es gibt schwerwiegende Vorwürfe gegen das Heim Schloss Wilhelminenberg aus den 1970er-Jahren. Wir wissen, dass Sie dort als Betreuerin gearbeitet haben. Es sind von damaligen Kindern unglaubliche Vorwürfe, vor allem Ihre Person betreffend, gemacht worden.

Schwester Linda nimmt einen großen Schluck vom weißen Spritzer. Sie drückt und zerrt an ihrem Oberarm.

Schwester Linda: Na, also ...


Wir müssen Sie bitten, dazu Stellung zu nehmen.

Wir kennen Mädchen, die genau wissen, wo man sich Geld holen kann. Also die waren nur in der Sonderschule. Waren also nicht besonders vif. Aber wie sie dann rausgekommen sind und auf Besuch gekommen sind, haben sie dann geschildert, wo man sich überall von der Gemeinde Wien eine finanzielle Unterstützung holen kann. Wie die das jetzt mitgekriegt haben, dass man für alle möglichen Geschichten einen finanziellen Ersatz kriegt, werden sich da welche was zusammendichten.


Es gibt folgende Vorwürfe von Heimkindern: "Am schlimmsten von allen war die Schwester Linda." Sie sollen dunkelhäutigen Kindern gesagt haben, dass sie kein Recht hätten zu leben.

Also das ist absolut ... Das ist absolut nicht wahr. Wir haben ein Mal ein einziges Zigeunerkind gehabt und überhaupt nie ein dunkles. Und die war so lieb und die hat mir richtig leid getan. Also das ist hint und vorn erfunden. Die müssen das verwechseln mit einem anderen Heim.


Sie sollen Kinder gezwungen haben, Erbrochenes zu essen.

Das hab' ich nie gemacht.


Warum sollten Menschen so etwas erfinden?

Vielleicht hat's wer anderer gemacht. Ich weiß es nicht. Bei mir musste niemand Erbrochenes essen. Ob es bei anderen Kolleginnen war, das weiß ich nicht.


Wir haben noch eine Aussage, dass Sie gerne mit Gegenständen um sich geworfen hätten. Ein Mädchen sollen Sie mit einem Messer erwischt haben.

Also die sind ja total verblödet. Das ist alles erfunden und erlogen. Wer wirft mit einem Messer herum?


Warum greift man Sie persönlich an? Das ist ja 40 Jahre her.

Das weiß ich nicht.


Waren Sie streng?

Ich war schon streng. Aber ich hab' mit ihnen auch viel unternommen. Wir sind wandern und schwimmen gegangen.Vielleicht bin ich ihnen deswegen in Erinnerung geblieben. Ich hab' halt immer geschaut, dass die Kinder beschäftigt sind. Und dass sie dann eben am Abend ausgelaugt sind und müde sind und gut schlafen.


Wenn Sie sagen, Sie waren streng - was darf man darunter verstehen?

(stottert) Also, was die da beschreiben, das hab' ich alles bestimmt nicht gemacht. Hie und da hab' ich halt wen Strafe schreiben lassen.


Die Mädchen sagen, sie mussten Strumpfbandgürtel und Strümpfe tragen, mussten sich nackt ausziehen und auf die Terrasse stellen und wurden vorher von Ihnen und anderen Betreuerinnen richtig hübsch ...

Na, na, so ein Blödsinn, das ist ein Wahnsinn.


... und zurechtgemacht.

Das ist ein kompletter Blödsinn. Hint und vorn. Das ist alles erstunken und erlogen. Das hat's nie gegeben.


Dass Mädchen, die weggelaufen sind, schwer bestraft wurden?

Das ist nicht wahr. Die sind mit dem Taxi abgeholt worden, und am nächsten Tag waren sie wieder weg. Und dann waren noch welche, die schon Jungprostituierte waren. Die haben dann andere Mädchen verschleppt, dass sie auch mit ihnen in den Prater gehen.

 
"Die waren total integer, die männlichen Erzieher"


Können Sie uns erklären, warum es denn gerade in Ihrem Heim Jungprostituierte gegeben haben soll?

Die waren ja in anderen Heimen auch.


Hat man das als Betreuer nicht in den Griff bekommen?

Na, also das ... (Pause) . Bei manchen war das schon Tradition. Da war das schon die Mutter und die haben irgendwie das Talent dazu gehabt. Jeder hat ja auch nicht das Talent für so einen Beruf (lacht) . Aber diese Beschuldigungen, das ist alles ein Blödsinn.


Es gibt Vorwürfe, dass männliche Betreuer Mädchen in ihrem Zimmer vergewaltigt haben.

Das ist bestimmt nicht wahr. Garantiert nicht.


Im Schlafsaal sollen Kinder vergewaltigt worden sein, von Männern, die ins Heim gelotst wurden.

(hastig) Also einmal ist auch bei mir einer eingestiegen, über den - wie heißt das? - Blitzableiter. Der wollte zu einem bestimmten Mädchen. Dann haben Mädchen zum Schreien angefangen wie am Spieß. Da sind wir munter geworden und der ist über den Blitzableiter wieder hinunter. Und einmal wollt einer beim Parterre hinein, beim Klofenster. Den haben wir aber auch erwischt und rausgeschickt.


Haben Sie diese Personen gekannt?

Nein, das waren jugendliche Burschen, die die Mädchen irgendwo kennengelernt haben. Die sind halt dann auf Besuch gekommen.


Haben Mädchen bei Betreuerinnen im Bett geschlafen?

Nein. Früher haben manche einen Mittagsschlaf gemacht, da haben sich welche allein in ein freies Kinderbett gelegt, damit sie in dem Schlafraum drinnen sind. Damit die Kinder nicht allein sind. Nur zum Aufpassen, aber nicht gemeinsam mit irgendeinem Kind. Das ist eine rege Fantasie.


Fällt Ihnen etwas zu anderen Betreuerinnen und Betreuern ein?

Die waren total integer, die männlichen Erzieher, die im Schloss Wilhelminenberg waren. Da war bestimmt nirgendwo was. Früher einmal, irgendwann muss einmal was gewesen sein. Weil die Direktorin gesagt hat, wir sollen uns nicht von einem Mädchen allein das Bett machen lassen.


Gab es ein Spiegelzimmer?

Ja, das war der Spiegelsaal. Das ist jetzt im Hotel der Festsaal. Wieso, haben die auch gesagt, dass man dort Pornofotos gemacht hat? (Im gesamten Interview wurde nie über Fotos oder Pornofotos gesprochen, Anm.)


Schwester Waltraud, sagt Ihnen die etwas?

Ja, aber was die gemacht hat, kann ich auch nicht sagen. Ich war mit meiner Gruppe beschäftigt. Jeder hat seine Gruppe gehabt, getroffen haben wir uns im Garten zum Spielen. Wir waren auch in Riccione mit den Kindern. Und auf Skikursen und alles. Und dort sind wir immer nur bewundert worden, dass unsere Kinder brav sind.


"Ich habe bestimmt nicht so ein Programm angeschaut"

 
Adventfeier im Kinderheim Wilhelminenberg: Schwester Linda sitzt mit ihren Zöglingen am reichlich gedeckten Tisch. (Persönliche Anmerkung: Text zum Foto-2)


Die Kinder- und Jugendanwaltschaft belegt, dass 40 Prozent der Heimkinder, die sich bisher gemeldet haben, sexuell missbraucht wurden.

Das kann ich nicht glauben. Da wollen jetzt sicher welche noch zu einem Geld kommen hinterher.


Wie war so ein typischer Tag im Heim?

Na, also früher war's halt schon ... wo man sich heute auf den Kopf greift. Die haben müssen gemeinsam aufs Klo gehen, also eine Klotour machen. Das Klopapier ist ausgeteilt worden, aber das war damals wahrscheinlich überall so. Das hat sich ja dann alles gegeben.


Sind Freundschaften entstanden aus dieser Zeit, mit Kolleginnen?

Also es hat schon welche gegeben, die sind dann beieinander gesessen. Eh, grad im Schloss Wilhelminenberg. Da war ein Dienstzimmer. Links ein Schlafsaal, rechts ein Schlafsaal. Und die haben sich da drinnen ihre Liebesgeschichten erzählt. Das waren auch lauter junge Erzieherinnen. Da hat dann so ein Mädchen gesagt "die sind ja größere Huren als wir" (lacht) .


Wie viele Kolleginnen, Betreuerinnen gab es?

Wie viel waren wir ...? Neun Gruppen waren wir. 40 Kolleginnen werden es gewesen sein. Früher waren's nur weibliche, später sind dann Männer auch gekommen.


Können Sie uns mit Namen weiterhelfen?

Ich seh' eigentlich niemanden mehr. Die männlichen Erzieher, die wir gehabt haben, waren eh alle verheiratet. Das ist der richtige Beweis, dass die da jetzt Sachen zusammenlügen, damit sie ein Geld kriegen.


Wo waren Sie nach dem Wilhelminenberg?

Also da war ich kurz auf der Hohen Warte (ein weiteres Jugendheim, Anm.) . Aber dort hat's mir nicht zugesagt, weil von den männlichen Erziehern waren welche wirkliche Schweine. Ob sie was mit den Buben gehabt haben, das weiß ich nicht, das kann ich nicht sagen. Die Männer waren halt nur lästig den jungen Erzieherinnen gegenüber.


Ich zitiere: "Da hat sie uns Dias und Filme über Konzentrationslager gezeigt. Da waren viele dunkle Menschen wie meine Schwester ... ob wir jetzt endlich verstehen, dass wir dort auch hingehören und nicht das Recht haben zu leben. "

Filme hab' ich überhaupt keine hergezeigt. Das ist alles ein Blödsinn. Wie soll ich zu einem Film kommen von einem Konzentrationslager? Selber war ich nur, wo sie mich in der Mittelschule hingeschleppt haben, in Mauthausen. Sonst war ich kein Konzentrationslager anschauen. Also das ist alles erfunden.


Hat auch niemand anderer die Filme gezeigt?

Nein, bestimmt nicht.


Gab es einen Filmvorführraum?

Später haben wir im Keller einen Fernsehapparat gehabt, mit einer Projektion. Ob sie da so einen Film gespielt haben, das weiß ich nicht. Ich habe bestimmt nicht so ein Programm angeschaut. Die haben jedenfalls eine rege Fantasie, damit sie zu irgendeiner Entschädigung kommen .

Opferhilfe - Betroffene sollen sich melden

Das Angebot des KURIER, dass sich ehemalige Heimkinder melden können, hat eine Lawine ausgelöst. Mehr als 40 Männer und Frauen haben seit Sonntag bei der Hotline angerufen. Viele von ihnen hatten bisher nicht die Kraft gefunden, ihre schrecklichen Erlebnisse einer öffentlichen Stelle zu melden.

"Ich hab' noch nie drüber geredet, aber jetzt kommt endlich alles heraus, was uns damals passiert ist", sagte etwa eine Frau, die sich mit unterdrückter Rufnummer gemeldet hat.

Der KURIER rät allen Anruferinnen und Anrufern, sich bei der Kinder- und Jugendanwaltschaft ( 01/7077000 ) oder bei der Opfer-Hotline des Weissen Ring (01 /4000 -85918 ) zu melden.

Die Experten der beiden Organisationen können rasch und unbürokratisch Unterstützung und Hilfe anbieten.

LETZTES UPDATE AM 17.10.2011, 16:44
Artikel vom 17.10.2011 16:00 | KURIER | Georg Hönigsberger, Julia Schrenk

2 Anhänge mit Foto zum Beweis:
17.10.2011 KURIER Wilhelminenberg Jetzt reden die Erzieherinnen 1.doc
17.10.2011 KURIER Wilhelminenberg Jetzt reden die Erzieherinnen 2.doc
Autor: Andreas Ranovsky
« am: 24 April 2012, 11:32:37 »

W8 - NIE WIEDER SKANDALHEIM WILHELMINENBERG

16.10.2011 KURIER http://kurier.at/interaktiv/kommentare/4306911.php

Mauern niederreißen

Kindesmissbrauch und Vergewaltigung dürfen nicht verjähren.


LETZTES UPDATE AM 16.10.2011, 18:00

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Mauern niederreißen
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Skandalheim Wilhelminenberg: Grauen über den Dächern Wiens
•   Weisser Ring: "Das, was die Opfer sagen, hat Hand und Fuß"
•   Porträt
Jurist will die Verjährung von Vergewaltigung aushebeln

Wer Kindern Schlösser baut, reißt Kerkermauern nieder." Dieser Satz stammt vom SPÖ-Sozialreformer der Zwischenkriegszeit, Julius Tandler. Der Spruch prangt, eingemeißelt in eine Marmorplatte, im großen Foyer des Schlosses Wilhelminenberg. Im dort untergebrachten Heim (1977 geschlossen) wurden Kinder jahrelang geprügelt und vergewaltigt.

Für den Gesetzgeber ist es Zeit, ebenfalls Mauern niederzureißen. Es ist hinlänglich bekannt, dass Missbrauchsopfer Jahre und Jahrzehnte brauchen, um über ihr Schicksal zu sprechen. Kinder, die von Personen, denen sie anvertraut wurden (seien es Eltern, seien es Erzieher), missbraucht werden, benötigen viel Zeit, um die schreckliche Erfahrung zu verarbeiten. Ein Glück, wenn sie wieder Vertrauen finden und sich Jahre später anderen Personen gegenüber öffnen können. Die Verjährung von Kindesmissbrauch und Vergewaltigung muss daher fallen. Ein Mord verjährt nie, die Vernichtung von Kinderseelen durch sexuellen Missbrauch schon.

Die Politik ist dringend gefordert, das zu ändern, um der Täterinnen und Täter habhaft zu werden und den Opfern so etwas wie eine späte Wiedergutmachung angedeihen zu lassen. Und eine Bitte: Wenn Sie schon dabei sind, reißen Sie gleich die Marmortafel von der Wand. Die ist ein Hohn für alle Opfer.

LETZTES UPDATE AM 16.10.2011, 18:00
Artikel vom 16.10.2011 17:00 | KURIER | Georg Hönigsberger
Autor: Andreas Ranovsky
« am: 24 April 2012, 11:32:01 »

W7 - NIE WIEDER SKANDALHEIM WILHELMINENBERG

16.10.2011 KURIER http://kurier.at/nachrichten/wien/4306894.php

Kinderheim-Opfer: "Die Erzieherinnen quälten zum Spaß"

Im Wiener Kinderheim im Schloss Wilhelminenberg wurden Kinder psychisch und physisch gebrochen. Fortsetzung des Interviews mit Eva L. und Julia K.

LETZTES UPDATE AM 16.10.2011, 18:39

Ein Hohn: Diese Marmortafel prangt immer noch im Schloss Wilhelminenberg, wie Eva L. (links) und Julia K. entsetzt feststellen mussten

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Der Horror geht weiter. Im ersten Teil des KURIER-Interviews sprachen Eva L., 49, und Julia K., 47, über das sexuelle Martyrium, dass sie in den 1970er-Jahren im Kinderheim am Wilhelminenberg erleben mussten: Serienvergewaltigungen durch Fremde und Erzieher. Heute erzählen die beiden Frauen, die mit 6 und 8 Jahren in das Heim kamen, über die sadistischen Erziehungsmethoden der sogenannten "Schwestern" am Wilhelminenberg.

KURIER: Wann sind Sie in das Kinderheim der Stadt Wien im Schloss Wilhelminenberg gekommen?
Eva L.: Im Jahr 1970. Meine Schwester war bis zur Schließung 1977 dort, ich ein wenig kürzer.

In den amtlichen Aufzeichnungen steht 1972.
Eva L.: Das stimmt nicht. Ich bin mit acht Jahren in das Heim gekommen. Wir durften uns nicht von den kleineren Geschwistern verabschieden. Diese Schreie meiner Geschwister werde ich nie vergessen. (weint) Dann hat die Hölle begonnen. Die richtige Hölle.

Erinnern Sie sich an die ersten Eindrücke?
Eva L.: Wie ich dort hingekommen bin, wurden wir in Empfang genommen im Beisein sehr, sehr vieler anderer Kinder. Es wurde gesagt, dass wir Zigeuner sind. Dreckige, diebische, verlogene Zigeuner, die nicht das Recht haben zu leben (weint) .
Julia K.: Die Heimleiterin, die hat so einen Pudel gehabt, hat
uns zu dieser Tante gebracht, zur Schwester B.. Alle Gruppen haben Namen gehabt. Wir waren bei den Hasen. Wir waren einige Zeit dort und dann haben wir ins Bett genässt. Wenn wir ins Bett gemacht haben, hat sie uns an den Haaren gezogen und mit dem Kopf ins Lulu hineingehalten.

Wen meinen Sie mit "sie"?
Julia K.: Die Schwester Linda. Dann hat sie uns so geschlagen, dass ich nur mehr geschrien habe. Die anderen Kinder haben das natürlich auch alles mitbekommen. Aber die wurden ja auch dermaßen geschlagen, dass wir alle Angst hatten.
Eva L.: Nach kurzer Zeit haben meine Schwester und ich Mumps bekommen. Wir sind in die Krankenabteilung gekommen. Da waren Gitterstäbe vor den Fenstern. Es war dort sehr grausam und brutal. Wir waren in einem ganz kleinen Zimmer, da war so ein kleiner Vorraum und... (weint) da hat man uns eingesperrt. Da war keine Dusche, nur ein Waschbecken und ein WC. In der Tür war so ein Türschlitz, eine Klappe, da haben sie uns das Essen durchgeschoben.

Klingt wie im Gefängnis.
Julia K.: Wir haben geweint, es war niemand da, der uns irgendwie was Liebes sagen konnte. Wir haben ein Kreuz gehabt in diesem Zimmer, wir haben uns hingekniet und gebetet. Wir haben selbst versucht, uns ein bisschen Trost zu geben und von der Mama zu sprechen. Das hat uns dann wieder etwas Mut gegeben.
Eva L.: Wir waren immer alleine in dem Krankenzimmer. Am Abend ist eine Schwester gekommen mit einem Holzstäbchen und hat uns eine braune, komisch riechende Creme raufgeschmiert.
Eva L.: Dann sind wir wieder zurück ins Heim gekommen. Da gab es grundlose Schläge und Beschimpfungen.

Wer hat Sie geschlagen?
Eva L.: Die Erzieherinnen. Die Männer haben uns nie geschlagen, aber uns dann was anderes angetan (gemeint sind sexuelle Übergriffe, siehe KURIER vom Sonntag) . Es waren sehr viele Erzieherinnen, die Waltraud, die B.. Aber am schlimmsten von allen war die Schwester Rosalinde. So hat sie sich genannt. Linda haben wir zu ihr gesagt.

Was hat diese Schwester Linda gemacht?
Eva L.: Die Kinder, die zu mir und meiner Schwester lieb waren, sind sofort bestraft worden. Linda hat immer gesagt, wir haben nicht das Recht zu leben. Sie hat uns immer Zigeuner gerufen. Wenn wir nicht fertiggegessen haben, hat sie uns gezwungen, dass wir aufessen. Wenn wir erbrochen haben, hat sie uns gezwungen, dass wir das Erbrochene aufessen. Das haben sehr viele Kinder getan, aber ich nicht.
Julia K.: Es war auch so, dass meine Schwester mit nassen Handtüchern geschlagen wurde ... (weint) Die hat sie total zusammengeschlagen.

•   » Reaktion: Es melden sich immer mehr Opfer

Wer hat das getan?
Julia K.: Die Linda.
Eva L.: Linda hat mich an den Haaren in den Waschraum gezerrt, hat mich aufs Brutalste in die Ecke geschlagen oder mit dem Kopf ins volle Waschbecken getaucht. Sie hat ein Handtuch genommen, einen Knoten reingemacht, hat ihn nass gemacht und auf mich eingeschlagen.

Ist das öfter vorgekommen?
Eva L.: Das war so oft, dass ich es nicht zählen kann. Die war wie von Sinnen.

Gab es Zeugen?
Eva L.: Da war ich alleine. Aber das hat sie auch mit anderen Kindern gemacht, nicht nur mit mir. Danach musste ich stundenlang knien mit dem ganzen nassen Gewand.
Julia K.: Auch beim Essen haben sie uns gequält. Wenn es was gegeben hat. Manchmal haben wir nur Suppe bekommen und nichts anderes. Oder wir haben Durst gehabt und wollten Wasser trinken. Die hat uns nicht einmal Wasser trinken lassen. Den Waschraum hat sie abgesperrt. Da war ein Abteil, da waren nur WCs. Da sind wir reingegangen und haben das Wasser aus der Toilette getrunken, weil wir schon so einen Durst gehabt haben.

Können Sie sich noch an andere Vorfälle erinnern?
Eva L.: Wenn sie (Schwester Linda, Anm.) zornig war, hat sie uns in der Nacht grundlos aus den Betten gezerrt und wir mussten knien. Wir haben uns nie auf den Unterricht konzentrieren können, weil wir nicht sehr viele Nächte gehabt haben, wo wir schlafen haben dürfen.

Wo wurden Sie unterrichtet?
Eva L.: Wie sind im Heim in die Schule gegangen. Ich war vorher in der Volksschule. Dort haben sie uns gleich in die Sonderschule gesteckt.
Julia K.: Ich war in der Sonderschule... erste Klasse, zweite Klasse, dritte Klasse und hab' lauter Einser gehabt. Hab' mir gedacht - komisch?!

• » Interview: Kinderheim des Grauens: "Wir wurden alle vergewaltigt und verkauft."

Im Vorgespräch haben Sie erzählt, dass Sie einen Film vorgespielt bekommen haben.
Julia K.: Ja, das war von dem Konzentrationslager. Da wurde gezeigt, wie es den Menschen gegangen ist, die der Hitler vergast hat.
Eva L.: Ja genau, das war im Keller. Da war so ein Filmvorführraum. Da hat Linda uns Dias und Filme gezeigt. Sie hat gesagt, das, was wir sehen, ist ein Konzentrationslager. Da waren viele dunkle Menschen wie meine Schwester und ich (weint) ... Sie hat gesagt, dass die auch umgebracht worden sind und ob wir jetzt endlich verstehen, dass wir dort auch hingehören und dass wir nicht das Recht haben zu leben.

Zurück zu den Verletzungen. Hat die niemand bemerkt?
Julia K.: Wir wurden ja oft geprügelt. Die Erzieherinnen haben dann gemeint, wir sind krank und dürfen nicht raus und auch keinen Besuch empfangen. Und dann haben sie gesagt: "Seht's ihr, so werden wir das immer machen." Wir haben alles gemacht, was die zu uns gesagt haben. Alles.
Eva L.: Linda hat mich einmal so geschlagen, dass ich auf einen rostigen Nagel gefallen bin. Ich habe eine Blutvergiftung bekommen. Das war ihr alles egal, die hat das richtig genossen. Und einen richtigen Spaß daran gehabt, wenn sie uns quälen konnte.
Julia K.: Die hat ja mit den Gabeln geschossen nach uns. Die hat mit den Schlapfen geschossen, hat mit den Sesseln geschossen, hat uns das Stockerl nachgeschossen. Meiner Schwester hat sie ein Messer reingehaut. Wir haben alle geschrien. Wir haben geglaubt, die bringt uns um.

Kamen die Kinder ins Spital, wenn sie verletzt waren?
Julia K.: Es wurden viele Kinder ... Ich wurde ja auch verletzt. Ich wurde von einer Schwester die Stiegen runtergeschmissen. Ich hatte einen angeschwollenen Knöchel, konnte nicht mehr gehen, wo eine andere Schwester mit mir ins Spital mitgefahren ist mit der Rettung.

Die Ärzte haben nicht nachgefragt?
Julia K.: Die haben sich gesagt: "Das sind die Heimkinder." Die Erzieherinnen haben die Kinder aufgehusst. Sie haben gesagt "Schlagt's die oder die."
Eva L.: Wir mussten gemeinsam zur Dusche. Da waren mehrere Duschkabinen. Nach dem Einseifen haben sie den Haupthahn abgedreht. Sie haben uns zittern lassen und das wirklich genossen. Dann sind sie schauen gekommen, ob wir überall eingeseift sind. Sie haben uns auch berührt, was wir nicht wollten. Die sind gestanden und haben gelacht und haben einfach nicht mehr das Wasser aufgedreht, damit wir uns nicht abduschen können.
Julia K.: Das war Katastrophe pur. Wir haben gebibbert.
Eva L.: Wenn es sehr heiß war, hat sich die Rosalinde in einen Liegestuhl gelegt und wir haben uns in die Brennnesseln stellen und Kniebeugen machen müssen. Die hat es richtig genossen, dass wir Schmerzen ertragen mussten.

Rachegedanken?
Eva L.: Da ist in mir schon sehr viel Hass aufgestiegen. Ich habe mir oft vorgestellt, wie das ist, wenn ich auf sie einschlagen könnte - so aggressive Gedanken halt. Alle wollten wir gemeinsam einen Plan machen, dass wir von dieser Person loskommen.

Und heute?
Eva L.: Rache will ich wirklich nicht. Früher hatte ich sicher ein Hassgefühl. Jetzt, wo ich älter bin, habe ich irrsinnig großes Mitleid mit diesen Menschen, weil das sind kranke Menschen. Normale Menschen machen das mit Kindern nicht. Kinder sind das Wertvollste auf der Welt. Kindern nimmt man nicht jede Zukunftschance. Heute würde ich gerne wissen, wie ich wäre, wenn die mir das alles nicht angetan hätten. Ich vermisse mich. Ich bin auf der Suche nach mir.

Dienstag im KURIER: Das Interview mit Schwester Linda, die sich gegen die Vorwürfe vehement wehrt.

• » Kommentar: Mauern niederreißen

LETZTES UPDATE AM 16.10.2011, 18:39
Artikel vom 16.10.2011 17:00 | KURIER | Georg Hönigsberger und Julia Schrenk
Autor: Andreas Ranovsky
« am: 24 April 2012, 11:31:28 »

W6 - NIE WIEDER SKANDALHEIM WILHELMINENBERG

16.10.2011 KURIER http://kurier.at/nachrichten/wien/4306924.php

Es melden sich immer mehr Opfer

Das Echo auf den ersten Bericht über das Skandalheim Wilheminenberg war enorm.

LETZTES UPDATE AM 16.10.2011, 18:34

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Das Echo auf den ersten KURIER-Bericht über das Skandalheim Wilhelminenberg war enorm. Etliche ehemalige Heimkinder meldeten sich am Sonntag in der Redaktion, um über ihr Schicksal zu sprechen. "Das, was die beiden Damen sagen, ist alles wahr", sagt etwa Frau E. Sie war 14, als sie die Jahre 1968/'69 im Heim am Wilhelminenberg verbringen musste. "Ich kann die Prügel bestätigen, den Psychoterror." Sexuelle Übergriffe seien ihr nicht bekannt gewesen. "Aber ich war ja schon 14." Frau E. bestätigt, dass auch sie vom zweiten Stock aus in der Nacht leuchtende Taschenlampen hinter dem Schloss gesehen hat. "Wir haben dazu Glühwürmchen gesagt und geglaubt, das sind Burschen, die ums Haus schleichen." Jetzt sei ihr bewusst geworden, dass vermutlich damals schon Männer ins Heim kamen. "Unten waren ja die ganz kleinen Mädchen." Und weiter: "Was der KURIER macht, ist wichtig. Endlich sagt einmal wer die Wahrheit. Wenn sonst schon nichts erreicht wird - vielleicht schlafen die Täter jetzt wenigstens schlecht."

Paradies

Herr D. war bereits in den 50er-Jahren im Kinderheim Schloss Wilhelminenberg. "Das war das Paradies", sagt er heute. "Ich glaube die Vorwürfe der zwei Frauen nicht." Eine 70-jährige Wienerin wiederum erinnert sich an die Jahre um 1949 zurück. Sie spricht von Erziehern, die manchmal täglich, manchmal nur mehrmals in der Woche "besoffen zu uns ins Mädchenzimmer gekommen sind und uns vergewaltigt haben". Die brisanten Aussagen dieser Frau werden vom KURIER penibel nachrecherchiert und demnächst veröffentlicht. "Wo kann sich meine Bekannte hinwenden?", fragt Frau R. aus Wien an der KURIER-Hotline (Tel. 01/52100-2663). "Sie war auch am Wilhelminenberg. Was die dort erlebt hat, war schrecklich. Sie traut sich aber mit niemandem darüber zu sprechen."

Reaktionen kamen auch aus den Parteien. Der Wiener SP-Gemeinderat Heinz Vettermann: "Die Stadt Wien ist um eine lückenlose Aufklärung der Geschehnisse in Wiener städtischen Heimen bemüht. Alle strafrelevanten Erkenntnisse die zu Tage treten, werden umgehend an die Staatsanwaltschaft übermittelt."

FP-Chef Heinz-Christian Strache forderte, dass "sämtliche Akten seit Bestehen des Kinderheims" geöffnet werden müssen. Die Vorfälle am Wilhelminenberg müssten restlos aufgeklärt werden.
Autor: Andreas Ranovsky
« am: 20 April 2012, 06:03:12 »

W5 - NIE WIEDER SKANDALHEIM WILHELMINENBERG

15.10.2012 KURIER Jetzt erst Knecht: Wie kann man das verhindern?

http://kurier.at/interaktiv/kolumnen/4306671.php

Den Opfern des Kinderheims Wilhelminenberg kann man nicht mehr helfen - man kann sie nur mit möglichst viel Geld entschädigen.

LETZTES UPDATE AM 15.10.2011, 18:16

Doris Knecht

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Jetzt erst Knecht: Wie kann man das verhindern?

Für den grundlegenden Vertrauensverlust und die Qualen, die sie erlitten haben, für die Brutalitäten und unheilbaren Verletzungen, die ihnen zugefügt wurden. Von Menschen, von denen noch einige am Leben sind, die aber von Verjährungfristen geschützt werden vor den Rechtsansprüchen jener nun erwachsenen Kinder, die sie gequält und vergewaltigt haben.

Auch dieses Beispiel zeigt, dass solche Verbrechen nicht verjähren dürfen: Weil der Missbrauch von Kindern von den Opfern oft viele Jahre geheim gehalten, versteckt, verdrängt wird und sie vielfach erst als Erwachsene darüber zu sprechen imstande sind.

Aus Scham und auch deshalb, weil sexueller Missbrauch von Kindern diesen immer auch vermittelt, dass sie allein sind, sich auf niemanden verlassen, keinem vertrauen können.
Denn meistens - wie auch am Wilhelminenberg - werden Kinder von jenen missbraucht, denen sie eigentlich vertrauen, von denen sie Schutz erwarten sollten: von Verwandten und Betreuern.

Die Opfer des Kinderheims Wilhelminenberg wurden nicht beschützt: Aber kann man solche Verbrechen an Kindern heute verhindern? Es wird zumindest auf breiter Ebene versucht: Erstens durch eine Sensibilisierung für das Thema, die in den 1970er-Jahren fehlte, was wiederum den Tätern Sicherheit gab. Und durch ein gutes Angebot von Kursen, in denen Kinder bereits im Volksschulalter lernen, was Missbrauch bedeutet, wie sie sich möglichst davor schützen - und wohin sie sich im Ernstfall wenden können. Damit ein Wilhelminenberg niemals wieder möglich ist.

LETZTES UPDATE AM 15.10.2011, 18:16

Artikel vom 15.10.2011 16:00 | KURIER | Doris Knecht

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SKANDALHEIM WILHELMINENBERG - Kommentare
http://www.dieaufdecker.com/index.php/topic,285.0.html

21.04.2012 KURIER Richter kannten Vorwürfe aus Kinderheimen

http://kurier.at/nachrichten/wien/4493234-richter-kannten-vorwuerfe-aus-kinderheimen.php

Eine ehemalige Mitarbeiterin des Jugendgerichts glaubt, dass Vorwürfe gegen Erzieher seit Jahrzehnten aktenkundig sind.  ...

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Autor: Andreas Ranovsky
« am: 20 April 2012, 06:02:26 »

W4 - NIE WIEDER SKANDALHEIM WILHELMINENBERG

15.10.2011  KURIER http://kurier.at/nachrichten/wien/4306649.php

Jurist will die Verjährung von Vergewaltigung aushebeln

Ein Rechtsanwalt aus Wien will für eine bessere finanzielle Absicherung der Opfer sorgen. Und die Täter an den Pranger stellen.

LETZTES UPDATE AM 15.10.2011, 16:29

Kämpferisch: Anwalt Öhlböck (Persönliche Anmerkung: Text zum Foto)

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Jurist will die Verjährung von Vergewaltigung aushebeln
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Jetzt erst Knecht: Wie kann man das verhindern?

Johannes Öhlböck hat die Vertretung der Missbrauchsopfer Eva L. und Julia K. übernommen.

Bereits Ende August forderte Öhlböck die Stadt Wien auf, Schadenersatz nach dem Amtshaftungsgesetz zu leisten und die Übernahme sämtlicher Therapiekosten für seine Mandantinnen zu garantieren. "Bisher wurde ein geringer Betrag anerkannt, der dem Leid der Opfer nicht im Ansatz gerecht wird. Ihre Anträge auf Verfahrenshilfe wurden abgewiesen", sagt Öhlböck.

Schonungslos

Der Anwalt hat auch die Täter im Visier: "Grundsätzlich sind die unmittelbaren Täter zu belangen, auch wenn sich das als schwierig erweist. Verbrechen dieser Art müssen schonungslos aufgedeckt werden." Er sieht auch eine "moralische Verpflichtung der Stadt Wien", gegen die "Verbrechen an der Menschlichkeit" vorzugehen. "Ich fordere von der Stadt eine lückenlose Aufarbeitung der Verbrechen. Und ich fordere eine österreichweite Untersuchungskommission."

Auch wenn bereits gut 40 Jahre vergangen sind, glaubt der Jurist, dass die Verbrechen in den Heimen aufgeklärt werden können: "Die Chance gibt es immer, wenn man eine Aufklärung will. Nur so viel: Der Druck der Opfer, die endlich etwas bewegen können, wird enorm werden. Und das ist auch gut so."

Immer wieder wird "Verjährung" ins Spiel gebracht. "Als Rechtsanwalt sage ich, dass solche Verbrechen nicht verjähren." Er hofft, die Verjährung mit einem Entscheid des britischen Höchstgerichts außer Kraft setzen zu können: "Das Gericht hat zu Recht berücksichtigt, dass Missbrauchsopfer viele Jahre benötigen, um gegen die Täter vorzugehen." Öhlböck fordert: "Diese Rechtsprechung, die in einem EU-Land gilt, ist auch auf Österreich anzuwenden."

LINK • Rechtsanwalt Öhlböck

LETZTES UPDATE AM 15.10.2011, 16:29

Artikel vom 15.10.2011 15:00 | KURIER
Autor: Andreas Ranovsky
« am: 20 April 2012, 06:01:06 »

W3 - NIE WIEDER SKANDALHEIM WILHELMINENBERG

15.10.2011 KURIER http://kurier.at/nachrichten/4306653.php

Weisser Ring: "Das, was die Opfer sagen, hat Hand und Fuß"

Die Aussagen der Opfer sind glaubwürdig", sagt die Wiener Kinder- und Jugendanwältin Monika Pinterits, nachdem sie vom KURIER mit den schwerwiegenden Vorwürfen von Eva L. und Julia K. konfrontiert wurde.

LETZTES UPDATE AM 15.10.2011, 16:29

Monika Pinterits (Persönliche Anmerkung: Text zum Foto)

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Jetzt erst Knecht: Wie kann man das verhindern?

Warum melden sich die Opfer erst nach 35, 40 Jahren? "Das kennt man bei physischer und sexueller Gewalt", sagt Pinterits. "Als Kinder waren sie alleine, niemand hat ihnen geglaubt." Die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle der katholischen Kirche (Stichwort: Klasnic-Kommission) hätte dazu beigetragen, dass sich viele Opfer - auch solche städtischer Kinderheime - Jahrzehnte nach den Taten öffnen. Pinterits: "Die Opfer haben gesehen, dass man ihnen glaubt."

"Wir nehmen die Angaben unserer Klientinnen sehr ernst", sagt auch Marianne Gammer, Geschäftsführerin der Opferschutz-Organisation Weisser Ring , die mit der Aufarbeitung des Kindesmissbrauchs in Heimen beauftragt wurde. "Das, was die Opfer sagen, hat Hand und Fuß", erklärt Gammer. Die meisten Missbrauchsfälle aus Heimen datieren aus den 1960er- und 1970er-Jahren. Viele Jahre sind seither vergangen. "Wir können die Vorwürfe nicht beweisen, aber wir brauchen auch keinen Beweis", sagt Gammer. "Wir nehmen die Personen ernst und bringen zum Ausdruck, dass ihnen Unrecht geschehen ist."

Die finanziellen Zahlungen aus dem Opferfonds sieht sie als "Anerkennung der Übergriffe". Die Beträge (meist 5000 bis 25.000 Euro, Anm.) würden sich an der aktuellen Judikatur orientieren. "Ich bin froh, dass die Stadt Wien dieses Zeichen setzt", sagt Gammer. "Es ist aber sicher kein Schweigegeld und sicher nicht mit einem Klagsverzicht verbunden."

Betroffene können sich auch an den KURIER wenden: 01/521 00-2663.

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LETZTES UPDATE AM 15.10.2011, 16:29
Artikel vom 15.10.2011 15:00 | KURIER
Autor: Andreas Ranovsky
« am: 17 April 2012, 09:31:57 »

W2 - NIE WIEDER SKANDALHEIM WILHELMINENBERG

15.10.2011 KURIER http://kurier.at/nachrichten/wien/4306648.php

Skandalheim Wilhelminenberg: Grauen über den Dächern Wiens

Vom Schloss Wilhelminenberg hat man einen wundervollen Blick auf Wien.

Hinter den Mauern herrschte Terror.

LETZTES UPDATE AM 15.10.2011, 19:12

Herrschaftlich thront das Schloss über Wien-Ottakring: Eva L. (rechts) und Julia K. erlebten dort die schlimmste Zeit ihres Lebens (Persönliche Anmerkung: Text zum Foto)

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Jetzt erst Knecht: Wie kann man das verhindern?

Es ist erschütternd, was sich hinter den Mauern von Jugendheimen abgespielt hat. Vor allem in den 1970er-Jahren wurden zur Betreuung in öffentliche Heime eingewiesene Kinder aufs Brutalste misshandelt, gequält, sexuell missbraucht. Ein Heim der Stadt Wien scheint das vernichtende Bild der Jugendwohlfahrt der damaligen Zeit noch bei Weitem zu übertreffen.

"Hölle"

Faschistoide (© Kinder- und Jugendanwaltschaft der Stadt Wien), an die Nazi-Zeit erinnernde Erziehungsmethoden, schlimmste Herabwürdigung sechsjähriger Mädchen, Züchtigung bis zum Erbrechen oder bis zur Bewusstlosigkeit, Vergewaltigung durch Betreuerinnen und Betreuer: Willkommen im Kinderheim Schloss Wilhelminenberg, der "Hölle auf Erden", wie Eva L., die sieben Jahre dort lebte, sagt.

All das schaut auf den ersten Blick übertrieben aus. Unglaublich. Unvorstellbar. Wer aber durch Interviews mit ehemaligen Heimkindern Einblicke in die Methoden der Erzieherinnen und Erzieher vor knapp 40 Jahren gewinnt, weiß, dass dies keine Erfindungen und Einbildungen ehemals geschundener Seelen sind, die Rache wollen. Ganz im Gegenteil: Die eingangs erwähnten Vorwürfe sind nur die Spitze des Eisberges an schrecklicher, systematischer Gewalt.

Das grausame Regime enthemmter Autoritätspersonen hat wehrlose Kinder, meist ohnehin aus ärmsten Verhältnissen, zu Sex-Sklaven gemacht. Ein Drama, das noch lange nicht beendet ist. Viele, möglicherweise alle, die die Heimzeit überlebt haben, leiden heute noch an den Spätfolgen. Zu ihnen kehrt der Albtraum, den sie jahrelang erdulden mussten, Nacht für Nacht zurück. Seit vierzig Jahren.

Die Verantwortlichen?

Die können sich getrost zurücklehnen, weil sie sich im sicheren Fahrwasser strafrechtlicher Verjährung wähnen. Manche von ihnen, immerhin sind gut 40 Jahre vergangen, sind schon tot.

Amtlich

Dass die Vorwürfe nicht aus der Luft gegriffen sind, ist mittlerweile amtlich. Die Kinder- und Jugendanwaltschaft hat im Auftrag der Stadt Wien mit der Aufarbeitung der Misshandlungen in städtischen Heimen begonnen. Alleine die trockenen Fakten, die in ihrer Dokumentation aufgelistet sind, sprechen Bände. 343 Opfer haben sich schon gemeldet. Die Stadt Wien zahlte bereits erste Entschädigungen aus. Abgewickelt wird die Unterstützung ehemaliger Heimkinder über die Opferschutz-Organisation Weisser Ring.

Stadt Wien: Aufarbeitung des Missbrauchs

Die Stadt Wien hat im Jahr 2010 begonnen, die Missbrauchsfälle in Kinderheimen systematisch aufzuarbeiten. Opfern wird finanzielle Hilfe gewährt. Bisher haben sich 343 Personen, die von der Wiener Jugendwohlfahrt in Heime eingewiesen worden waren, bei der Opferschutz-Organisation Weisser Ring gemeldet. 31 davon waren am Wilhelminenberg untergebracht.

"In hundert Prozent der Fälle kam es zu psychischen und physischen Übergriffen, manchmal unfassbar brutal, manchmal auch nur deutlich über der Grenze der damals herrschenden pädagogischen Ansicht", heißt es in einem Zwischenbericht der Wiener Kinder- und Jugendanwaltschaft. "In 40 Prozent der Fälle, die vom Gremium bearbeitet wurden, kam es zu teilweise schweren sexuellen Übergriffen."

Die Stadt Wien hat den Opferfonds auf 5,8 Millionen Euro aufgestockt. 139 ehemalige Heimkinder haben bereits Zahlungen erhalten. Diese reichen von 5000 Euro in weniger schwerwiegenden Fällen über 15.000 Euro für mehrfache Übergriffe, bis hin zu 25.000 Euro in Fällen von über mehrere Jahre hinweg fortgesetzter (sexueller) Gewalt mit Verletzungsfolgen und seelischen Schmerzen. Eva L. und Julia K. wurde ebenfalls eine Entschädigung ausgezahlt: Weit mehr als 25.000 Euro.

LETZTES UPDATE AM 15.10.2011, 19:12
 
Artikel vom 15.10.2011 15:00 | KURIER | Georg Hönigsberger und Julia Schrenk